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| Der Meeresbiologe - Kapitel 1 |
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| Geschrieben von: Kevin Bauer |
| Mittwoch, 10. Februar 2010 um 21:59 Uhr |
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INTRO Hallo, mein Name ist Jack Madison und ich bin von Beruf Meeresbiologe. Meine Lebensgeschichte wird sie wahrscheinlich nicht sonderlich interessieren, sie ist auch nicht sonderlich interessant. Lassen wir sie also beiseite. Mein jetziger Standpunkt: Auf meinem Schiff der Blue mitten im nirgendwo, rund um mich nur blau. Himmel und Wasser scheinen eins zu werden. Die Sonne steht hoch am wolkenlosen Himmel. Ich bin mittlerweile seit 3 Tagen allein unterwegs um die Strömungen des Meeres und die Wanderwege der Fische zu beobachten und zu dokumentieren. Ein Vorhaben welches für einen einzigen Menschen nahezu nicht verwirklichbar ist. Deshalb habe ich Kurs genommen auf Haituchi Bay. Haituchi Bay ist eine kleine Insel mitten im riesengroßen Moranischen Meer. Ich erhoffe mir auf ihr Unterstützung zu finden. Vielleicht einen Taucher der die Riffe kennt, einen Kapitän der die Winde einzuschätzen vermag oder vielleicht sogar eine hübsche, junge Meeresbiologin mit der ich mein Wissen über die Meere, Fische und andere interessante Dinge teilen könnte. Nun, jetzt wissen sie Bescheid über meine derzeitige Situation. Ich werde noch in etwa 2 Tage benötigen um sicher in Haituchi Bay anzudocken. Vorrausgesetzt der Wind macht sein Ding und die Segel keine Probleme.
Der erste Tag verlief problemlos. Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten damit die „Blue“ zu navigieren, hatte immer traumhaften Halbwind und konnte mir gemütlich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Ab und an begleitete mich eine Schar neugieriger, kreischender Möwen, wohl in der Hoffnung, etwas Essbares von mir zu ergattern. Ich ließ mich durch sie jedoch nicht vom Faulenzen abhalten und machte müde weiter. Nach dem Frühstück machte ich mich ans Fischen. Als ich nach 13 Minuten bereits meinen ersten Fisch an der Angel hatte wusste ich, heute wird’s ein fischreicher Tag. Ich sollte recht behalten. Innerhalb von 3 Stunden unermüdlichen Angelns hatte ich 8 Fische gefangen. Persönlicher Rekordfang am offenen Meer. Mittagszeit. Ich hatte aus unerklärlichen Gründen einen Riesenhunger und musste 3 der 8 Fische in meiner Kajüte essfertig zubereiten. Ich muss sagen, ich habe mich selbst übertroffen. Sie waren ein Gedicht. Nach dem Essen setzte ich mich wie jeden Tag einige Stunden über meine Bücher. Ich musste die bereits bekannten Wanderwege der Fische studieren. Es waren unzählige aber ich schien meinem Ziel mit jedem Tag näherzukommen. Nach einigen Stunden korrigierte ich noch einmal meinen Kurs und ging zu Bett. Der 26 Juni 2006 verging wie im Flug. Es ist jetzt genau 23:12 Uhr. Jack Madison meldet sich ab.
Der zweite Tag war eine Qual. Ich habe herrlich geschlafen. Die warmen Sonnenstrahlen die sich auf dem spiegelglatten Meer wie unglaublich viele Goldtaler spiegelten waren ein erhebender Anblick so früh am Morgen. Ich checkte den Kurs meiner Blue, alles in Ordnung. Doch es war windstill. Ein perfekter Tag zum Tauchen. Nur leider fehlte mir die nötige Ausrüstung und wohl auch das nötige Wissen um in Tiefen bis zu 50 Meter zu tauchen. Es ging also nicht voran. Ich setzte mich über meine Bücher bis Wind aufkam. Und was für Wind. Das einst so ruhige Meer war nicht mehr wiederzuerkennen. Die Wellen peitschten gegen den Bug meines Segelschiffes. Der Himmel verfinsterte sich. Das Meer wurde schwarz und grausam. Der Wind gewann zunehmend an Stärke. Mit rasender Geschwindigkeit schoss er mir um die Ohren. Zu allen Überfluss begann es auch noch zu regnen. Richtig dicke Tropfen patschten auf den Boden des Schiffes. Es wurde nass, kalt, dunkel und rutschig. Ein wahrer Alptraum für jeden Segler. Die Minuten kamen mir vor als wären sie Stunden, die Sekunden als wären es Minuten. Ich hatte weder Zeit zu essen noch zu trinken. Ich kämpfte ums Überleben. Ein junger unerfahrener Biologe allein auf weitem Meer, hineingeraten in den schrecklichsten Sturm seines Lebens. Ein Segel riss. Dann das Zweite. Mein Boot wurde zum Spielball der meterhohen Wellen. Mit letzter Kraft hielt ich das Ruder fest. Meine Muskeln fühlten sich an als würden sie jeden Moment zerbersten. Jede Bewegung tat höllisch weh. Ich rutschte aus. Gerade noch konnte ich mich an der Reling der "Blue" festhalten. Mit mir bisher unbekannten Kraftreserven zog ich meine Beine aus dem sprudelnden Wasser unter mir und drückte mich zurück an Deck. Mein Lebenswille verließ mich. Ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten. Ich schleifte mich in die Kajüte und fiel in eine Art Koma. Der 27 Juni 2006 war ein Tag den ich wahrscheinlich nie vergessen werde. Ich habe keine Ahnung wie spät es war als ich einschlief, ich weiß nur, dass ich lebe. © Kevin Bauer |
| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 10. Februar 2010 um 22:45 Uhr |
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